Herrmann

Beschreibung des Kunstwerks

Das Gemälde zeigt ihn freundlich lächelnd: Herrmann G. zur Jagd im Walde, wohin ihn seine Kammerfrau begleitet, um Staub von seinem Jagdrock abzubürsten. Welch ein weltbewegendes Sujet! Erkennt ihr, wer es ist? Natürlich ist das Bild nicht als Ausdruck von Verehrung gemeint. Eine gewisse Provokation und Lust am Tabubruch ist aber nicht ganz absichtslos. Gehört dies doch zur Kunst der Gegenwart ganz allgemein.

Es scheint die Sonne. Man sieht Herrmann selbstgefällig lächelnd. Die gemalte Figur strahlt Macht und Kontrolle aus, er scheint sich seiner Überlegenheit bewusst. Seine Garderobenfrau begleitet ihn zur Jagd, um Staub vom Jagdrock abzubürsten. Herrmann schaut ihr dabei freundlich lächelnd zu. Vielleicht genießt er es, wenn sie den Jagdrock an seinem Körper bürstet statt auf dem Bügelbrett.

Die Fassade

Eigentlich sollte Herrmann andere Sorgen haben als die Sauberkeit des Jagdrocks. Diese Handlung ist sicher ein Akt der Unterwerfung verstanden werden und die besondere Freundlichkeit Herrmanns Ausdruck der Freude daran. Die psychologische Funktion des Bürstens könnte darin bestehen, der moralischen Niedertracht des politischen Wirkens durch äußere Makellosigkeit entgegenzuwirken. Sie ist nur ein kleiner Teil seiner Fassade, die zur Verdeckung mehrerer Zwiespälte dient. Als zuvor effektivster Manager des Aufstieg der Partei zur Macht sah er, so wird vermutet, früher als andere Personen den Untergang voraus.

Daß er gerade mit dem Herannahen des Endes das Zelebrieren von Prunk und Genuß steigerte, hat etwas Abgründiges und surreales, aber auch Albernes. Der bizarre Reinigungsritus des Jagdrocks ist nur ein kleiner Aspekt seines Lebensstils, der in surrealer Weise konträr zur militärischen Lage in den letzten Jahren war. Im symbolischen, posenhaften Aufbäumen gegenüber dem Unvermeidlichen besteht eine gewisse thematische Nähe zum Bild Erzengels Exit.

Herrmann als Kunstsammler

Er war das barocke Element in der Führung, ein unersättlicher Genießer nicht nur kulinarisch, sondern auch als Sammler von Kunst. Zum (kleinen) Teil für seine große Villa „Karinhall“, benannt nach seiner verstorbenen ersten Frau. Auch deshalb wählte der Maler ihn als Thema für ein ausgefallenes Gemälde. Dieses Portrait seiner selbst hätte er bestimmt erworben, besser gesagt es konfiszieren lassen, so wie die anderen Gemälde auch. Darunter gab es übrigens auch eine Menge an „entarteter“ moderner Kunst, die er trotzdem schätzte. Auch hierin fiel er aus dem Schema. Viel Zeit blieb ihm nicht, all das noch zu genießen. Am Ende gelang es ihm, sich zu vergiften, bevor das Urteil bei den Nürnberger Prozessen vollstreckt werden konnte.

Ausdruck der Szene

Diese Szene erinnert an klassische Kompositionen, gewinnt jedoch durch ihre Überhöhung eine gezielte Irrealität. Im Wald hält sich noch der Nebel. Der Hintergrund des Hochkant-Bilds ist ein angedeutete Wald in verwaschenen Farben mit lichtdurchfluteten Schleiern, die sich wie ein surrealer Nebel über die Szene legen. Darin liegt eine Nähe zum Surrealismus. Die gesamte Komposition wirkt entrückt – eine Mischung aus Zeichnung, Gemälde und Stillleben, in dem sich Symbolik und Atmosphäre verdichten. Die Aura ist die einer scheinbaren Heiterkeit und Freundlichkeit, unter der etwas Gegensätzliches verborgen scheint. Das Werk ist im Hochformat angelegt und zieht durch seine Größe und formale Strenge den Blick unmittelbar auf sich.

Der strukturell beeindruckende Jagdrock ist das Zentrum des Bildes und war Ausgangspunkt des Themas. Hellen Flecken darauf zeugen vom Lichteinfall durch das Laub.

Das Gesicht folgte einem Foto aus dem Internet. Es wurde das mit dem besten Erkennungswert gewählt. Und in der Tat scheint Google ihn erkannt zu haben, wenn ich die verklausulierte automatische Mahnung recht verstanden habe.

Malstil und Wirkung

Der Stil lässt sich als zeitgenössischer figurativer Expressionismus mit starken Elementen aus dem Symbolismus einordnen.

  • Typisch sind lasierende Acrylschichten, teils wie Aquarell anmutend
  • Strukturierte Flächen mit feinen Linien und collagenartigen Fragmenten
  • Verwaschene Übergänge zwischen Figur, Raum und Hintergrund

Als Malmittel wurden Acrylfarben, Oxydkonzentrate und Pigmente eingesetzt – in einer für Perret typischen Mischtechnik, die Zeichnung und Malerei zusammenführt. Die Farbpalette umfasst erdige Braun-, Grün- und Grautöne, durchsetzt mit kühlen Blautönen und pastellenen Lichtflecken. Diese gezielte Reduktion auf gedeckte Farben unterstreicht die düstere Wirkung des Bildes und verstärkt die Unruhe und emotionale Spannung in der Darstellung.

„Herrmann“ ist kein dekoratives Wandbild im klassischen Sinne, es ist ein interessantes und extravagantes Kunstwerk, das provoziert und unter die Oberfläche dringt. Es ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie abstrakte und figurative Mittel kombiniert werden können, um ein gesellschaftliches Tabu ästhetisch wie intellektuell zu hinterfragen.

Als einziges Bild in einem Wohnraum hängend wäre es etwas befremdlich und als Geschenkidee sehr speziell und gerade dadurch ein besonderes Geschenk. Ansonsten fügt es sich gut in jedes Ambiente des Wohnzimmers, wenn man vom Thema absieht.

Werkdaten

Kunstwerk:Herrmann
Nummer:13
Künstler:Ulrich Perret
Motiv:Männergemälde, polemisches Bild, Jagdbild, provokative Kunst, Strukturbild
Stil:Impressionismus, Symbolismus, polemisches Gemälde, Jagdbild
Motivfarbe:olive-grün, rot und Erdfarben
Hintergrundfarbe:grün-gelb-grau mit Textur
Maltechnik:Technik gelenkter Farbverläufe, Näheres: Maltechnik
Malfarben:Acrylfarben, Oxydkonzentrate, andere Pigmente, gezielt verlaufende Farben
Aufbau:Platte einseitig bemalt
Material:Gemälde auf Holz
Rahmen:Bilderrahmen aus Holz unsichtbar auf der Rückseite
Format:hohes senkrechtes Format, Größe 82 x 124 cm
Jahr:2020
Art:Original handgemalt
Zertifikat: Unikat mit Echtheitszertifikat, Signatur wird noch erstellt
Unikat Preis:2.200 €
Druck Preis:Druckkosten auf Anfrage, je nach Größe und Material wie Leinwand oder Alu Dibond

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  • als Original auf einer Holzplatte, gerahmt, fertig zum Aufhängen, siehe Gemälderahmen.
  • als hochwertigen Kunstdruck: gedruckt auf Leinwand oder Alu-Dibond.


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Herrmann
Herrmann Nr. 13 Größe 82 x 124 cm

Story / Poem

Befremdliches Jagdbild

Er wird zwar nicht benannt, sollte aber zu erkennen sein. Doch ziemt es sich überhaupt, jemanden wie ihn mit sanftem Lächeln gar, in einem schönen Bild zu ehren?

Doch eine Ehrung ist es keineswegs. Geehrt werden allenfalls Verdienste, freilich ungewollte, um des Reiches Untergang, Denn was er anfing als Minister, es ging daneben.